Susanne Haun
Andreas Mattern
Strangers in the
Night
Galerie im Technopark. Kamen, 23.11.2007
Sehr geehrter Herr Gercek,
liebe Susanne Haun und Andreas Mattern
meine Damen und Herren,
Sie werden es wohl schon gemerkt haben: Es gibt Heute Abend hier
kein Konzert mit Frank Sinatra, sondern nur eine Ausstellung: „Strangers in the
Night“. Eine Ausstellung der Berliner Künstler Susanne Haun und Andreas
Mattern.
Susanne Haun und Andreas Mattern kennen sich schon seid
zahlreichen Jahren. Sie sind also keine „stangers“ Und seit 5 Jahren arbeiten
sie gemeinsam in einem Atelier. Wenn man sich aber die Bilder anschaut, können
sie eigentlich kaum unterschiedlicher sein.
Susanne Haun stellt hier in Kamen Zeichnungen und Arbeiten auf
Papier aus. Im Zentrum ihrer Arbeiten stehen meist immer Menschen. Sie zeigt
hier einige fast klassische Aktstudien, die bestimmte Posen festhalten. Hier
erkennt man schon den sicheren Blick für die Körper und ihre klare Umsetzung.
Die Körper werden mit wenigen Linien in Kreide genau umrissen und mit eigentlich
nur wenigen farbigen Andeutungen genau wieder gegeben.
In einer anderen Reihe zeigt sie Zeichnungen mit Tusche, die ein
wenig an asiatische Bilder erinnern. Aber auch hier charakterisiert Susanne
Haun ihre Personen mit wenige Linien und Schattierungen aus zerfließender
Tusche.
Den Hauptteil ihrer Ausstellung bestreitet Susanne Haun mit
kleinformatigen Zeichnungen. Solche Arbeiten auf Papier entstehen bei ihr fast
täglich. Sie geben auch ganzalltägliche Menschen wieder. Und sie zeigen
Menschen in ganz alltäglichen Situationen
und Umgebungen. Dazu treten immer wieder Tiere, besonders Fische, die
oft auch noch an der Angel hängen.
In einigen Arbeiten finden wir auch kurze Texte als eine Art
Kommentar, eine Weiterführung der Bildidee. Oder auch als eine Art spontane
Notiz.
In ihren Zeichnungen umschreibt Susanne Haun ihre Bildgegenstände
meist mit dunklen Linien. Dazu treten lasierende Farben, die oft den Raum, den
Umraum der Personen markieren und betonen. Oder sie beschreiben in den
Zeichnungen Kontraste zu den grafischen Elementen. Gerade in den kleinen
Zeichnungen mischen sich diese grafischen Elemente mit rein malerischen
Farbverläufen zu einem untrennbaren Miteinander.
Susanne Hauns Bilder von Personen erscheinen zuweilen einerseits
fast portraithaft. Andererseits scheinen ihre Arbeiten auch kleine Geschichten
zu erzählen. Es sind alltägliche Beobachtungen, manchmal aber auch fast
sinnbildliche Figurationen. Ohne dass sie zu eindeutig wird. Ihre Bilder
blieben immer offen, für unsere eigenen Geschichten.
Ganz im Gegensatz dazu stehen die Bilder von Andreas Mattern.
Seine Arbeiten bleiben menschenleer. Sie zeigen Ansichten von Großstädten, die
er selbst besucht und genau beobachtet hat. Seine Stadtansichten lassen sich
immer ziemlich genau verorten. Das heißt die Plätze, die Brücken, die Häuser,
die Fassaden beziehen sich mehr oder
weniger genau auf eine bestimmte Stadt.
Seine Bilder zeigen oft einen erhöhten Standpunkt des Betrachters
mit sehr tief liegendem Horizont und einem dramatischen Himmel. Sie lösen die
Formen, die Häuser, die Werbetafeln einerseits oft in ein etwas chaotisch
scheinendes Durcheinander auf. Andererseits verweisen immer wieder Straßenzüge
in die Bildtiefe, sodass durch den Tiefenraum auch wieder Ruhe ins Bild
kommt.
Aber seine Arbeiten sind alles andere als naturalistische
Beobachtungen. Die Farben lösen sich auf. Besonders die Farben entfernen sich
in seinen Bildern meist von jeder naturalistischen Farbgebung. Sie beschreiben
einen für jedes Bild typischen Farbklang. Sie werden zum Träger von Stimmungen
und einem gesteigerten Ausdruck
Andreas Mattern hat sich in seinen Arbeiten ganz auf das Aquarell
konzentriert. Allerdings wirken seine Aquarelle wenig aquarelltypisch. Er trägt
die Farben sehr flächig auf, ohne die Flächen und Formen vorher zu konturieren.
Die so dargestellten Formen beginnen in den einzelnen Farben zu verschmelzen.
Dazu treten oft gestisch Liniengebilde hin bis zu Farbspritzern.
Andreas Mattern arbeitet ganz spontan. Man könnte sagen, dass er
Stimmungen von Städten aufnimmt und diese in Farbe umsetzt. Dazu erscheint das
Motiv fast schon nebensächlich. Denn es
geht mehr um den Reiz der Farbe. Aber die Städtemotive gibt den Betrachtern Halt. Sie sind Anlass
für einen ersten Blick. Und die Wiedererkennbarkeit der Motive, die mögliche
genau Ortsbestimmung ist auch Anlass, länger bei dem einzelnen Bild zu
verweilen. Doch erst, wenn man sich als Betrachter ein wenig mehr in diese
Bilder zu vertiefen, erschließt sich einem die ganz spezielle Stimmung,
die sich in ihnen spiegelt.
Ich habe die Beiden gefragt, wie sie auf den Ausstellungstitel
„Stangers in the Night“ gekommen sind.
Das habe sich in einem Telefongespräch mit Reimund Kasper eher zufällig und
spontan ergeben.
Ich hab den Text mal nachgelesen und da gibt es dann noch so eine
Zeile „Lovers at first sight, in love forever“. Also: Liebende auf den ersten
Blick, für immer in Liebe.
Das beschreibt vielleicht auch ganz gut den Umgang und den
spontanen Zugang von Susanne Haun und Andreas Mattern zu ihren Bildgegenstand,
der dann durch Kunst eben etwas Dauerhaftes erfährt.
Und so, meine Damen und Herren, können wir als Betrachter
eigentlich auch mit diesen Bildern umgehen: spontan auf die Bilder zugehen, sie
auf uns wirken lassen, vielleicht bleibt dann von ihnen mehr als nur der
heutige Abend.